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In eigener Sache

Frag jemanden mit Grün­dungs­er­fah­rung: Paul Huber

Ein Mann und eine Frau schütteln sich die Hände vor einem Aufsteller der TFU mit einem Bild von einem Drachen.

In loser Folge wollen wir Grün­de­rin­nen und Gründer vorstel­len und allen die selben Fragen stellen.

Heute: Paul Huber.

Huber 140214

Wer sind Sie und worum handelt es sich bei Ihrer Gründung?

Ich bin Dipl.-Ing. (FH) Opto­elek­tro­nik und MBA.
Bei meiner Gründung handelt es sich um ein Inge­nieur­büro, das die Kunden bei der System­ent­wick­lung von optischen und mecha­tro­ni­schen Systemen untersdtützt. Das können z. B.  Getrieb­steue­run­gen, Fahr­as­sis­tenz­sys­teme oder auch Opera­ti­ons­mi­kro­skope sein.

Wir beschäf­ti­gen uns mit Geschäfts­pro­zes­sen wie z.B. der Aufbau von Test-Abtei­lun­gen,
entwerfen und imple­men­tie­ren Test-Auto­ma­ti­sie­rungs­lö­sun­gen mit inkl. Design der Test­um­ge­bun­gen.
Unsere Kompe­ten­zen liegen bei den Methoden im Requi­re­ments- und Test-Engi­nee­ring sowie bei Risi­ko­ana­ly­sen; außerdem in den Normen und Standards wie SPICE und ISO 26262.
Wir bieten auch Workshops und Schu­lun­gen zu allen genannten Punkten an.

Ich selbst habe die Haupt­schule vollendet und dann eine Lehre als Elek­tri­ker gemacht, daran anschlie­ßend wurde ich staatlich geprüfter Nach­rich­ten­tech­ni­ker, dabei habe ich auch die Fach­hoch­schul­reife erworben und dann Opto­elek­tro­nik studiert.
Neben­be­ruf­li­ches habe ich noch einen MBA an der Hoch­schule Neu-Ulm gemacht.
Zwischen allen Stationen habe ich immer gear­bei­tet und 2006 mein Unter­neh­men gegründet. Weil es immer “menschelt” und als Grundlage für Schu­lun­gen und Coaching habe ich auch noch eine Ausbil­dung als syste­mi­scher Fami­li­en­the­ra­peut dran­ge­hängt.

Woher hatten Sie die Idee für Ihre Gründung?

Eigent­lich wollte ich ein Unter­neh­men gründen, das mit Hilfe von optischen Sensoren aus der Luft digitale Gelän­de­mo­delle erstellt. Diese Idee ließ sich aber aus finan­zi­el­len Gründen nicht reali­sie­ren.
Die umge­setzte Grün­dungs­idee resul­tiert aus der Anfrage eines Bekannten von mir, der dringend jemanden fürs Test-Engi­nee­ring benötigte.

Was war Ihr Antrieb, schließ­lich zu Gründen?

Ich war in dem Unter­neh­men, in dem ich arbeitete äußerst unzu­frie­den, da ich meine Ideen nicht verwirk­li­chen konnte.
Wahr­schein­lich habe ich damals wegen meiner Hand­werk­li­chen Vergan­gen­heit nicht wirklich in ein “akade­misch” geprägtes Inge­nieur­büro gepasst.
Auf jeden Fall war dieses Arbeits­ver­hält­nis von zahl­rei­chen Miss­ver­ständ­nis­sen begleitet.
Mein vorhe­ri­ges Arbeits­ver­hält­nis, das wesent­lich forschungs­in­ten­si­ver war, hat aber komi­scher­weise sehr gut geklappt…

Wie sind Sie dabei vorge­gan­gen?

Ich ließ mich vom Arbeit­ge­ber kündigen und habe die gewonnene Freizeit zur Ausar­bei­tung eines Busi­ness­pla­nes für meine erste Geschäfts­idee benutzt. Ich hatte mich damals auf einen Busi­ness­plan­wett­be­werb beworben, weil ich mir Impulse aus dem Wett­be­werb erhoffte.
Die Umsetzung der wirklich rele­van­ten Geschäfts­idee ging eher sehr schnell über die Bühne.

Gab es Unter­stüt­zung?

Vor der Grün­dungs­phase hatte ich verschie­dene Schu­lungs­an­ge­bote der IHK für Exis­tenz­grün­der genutzt.
In der Grün­dungs­phase hatte ich die damals zur Verfügung stehenden staat­li­chen Start­hil­fen für Exis­tenz­grün­der genutzt.
In den ersten 5 Jahren habe ich zudem weitere Förde­rungs­an­ge­bote zum Aufbau eines ersten Markt­auf­tritts genutzt.

Wo hätten Sie gerne Hilfe in Anspruch genommen?

Die Gespräche mit verschie­de­nen Banken, wie z.B. der Kfw waren nicht wirklich hilfreich.
Vor allem wurde zwar mit Eigen­ka­pi­tal­för­de­rungs­pro­gram­men geworben, die sich dann bei näheren Hinsehen nicht umsetzen ließen, da diese dann immer schon bestehende Produkte und Entwick­lun­gen und damit auch schon eine Menge vorin­ves­tier­tem Eigen­ka­pi­tal als Förde­rungs­grund­lage voraus­setz­ten. Das war für mich schlicht und ergrei­fend illu­so­risch.

Wen empfehlen Sie?

Die Schu­lungs­pro­gramme der IHK, aller­dings sollte man da schon ein bisschen Vorkennt­nisse mitbrin­gen, um die Bedeutung der betriebs­wirt­schaft­li­chen Themen zu verstehen.
Die Förder­pro­gramme für Exis­tenz­grün­der waren ebenfalls sehr hilfreich. Damals waren Sie aber auch wesent­lich besser als heute.

Was war besonders gut, was besonders schlimm — (bei der eigent­li­chen Gründung oder im Geschäfts­le­ben allgemein)?

Der Unter­schied zwischen Sein und Schein im Geschäfts­le­ben.

Sprich die plötz­li­che Entste­hung von Markt­ein­tritts­bar­rie­ren, weil z.B. Firmen nicht mehr mit kleinen Unter­neh­men zusam­men­ar­bei­ten wollen. Und deshalb der Umweg über Perso­nalagen­tu­ren notwendig wird, um mit den Unter­neh­men überhaupt zusammen zuar­bei­ten zu können. Natürlich auch, dass hier dann Margen abge­schöpft werden, die einem zur eigenen Entwick­lung fehlen.
Die Unter­neh­men spielen ihre Markt­macht uner­bitt­lich aus.
D.h. dass uner­fah­rene Mitar­bei­ter fast unver­käuf­lich sind, die erfah­re­nen Mitar­bei­ter aber schon nach kurzer Zeit mit horrenden Gehältern abge­wor­ben werden, die man selber wegen der Schwie­rig­keit zur Vermark­tung der Mitar­bei­ter, solange sie uner­fah­ren sind, nicht zahlen kann.
Und diese Firmen dann die Aufbau­ar­beit von Jahren einfach zunichte machen, indem sie kleine Unter­neh­men als kosten­lose Ausbilder benutzen.

Alle Unter­neh­men schreien zwar, wie sehr Inge­nieure fehlen, suchen aber das Knowhow sprich­wört­lich zum Nulltarif…

Was hat Sie über­rascht?

Dass der eigent­li­che Busi­ness­plan, den ich zur Bewil­li­gung der Förder­mit­tel benötigt habe, äußerst primitiv war.
Auch der Busi­ness­plan, für den Wett­be­werb hätte eigent­lich einfacher sein können.

Was finden Sie besonders gut daran, selb­stän­dig zu sein?

Ich kann mein Leben in wesent­lich höherem Maße gestalten als z.B. ein Ange­stell­ter und muß niemanden fragen, wenn ich ein Projekt durch­füh­ren will.

Was raten Sie Menschen, die ebenfalls gründen wollen?

Infor­mie­ren Sie sich gut über die Geschäfts­fel­der in denen sie aktiv werden wollen.
Vor allem im B2B- Bereich!
Viele Markt­ein­tritts­bar­riere sind unsicht­bar und werden auch in den Fach­me­dien gar nicht oder verfälscht kommu­ni­ziert, weil oft Inter­es­sen­ver­tre­ter der Orga­ni­sa­tio­nen bestimmen, was veröf­fent­licht wird.

Markt­bar­rie­ren können sehr schnell entstehen, weil Mode­the­men, Konkur­renz und Inter­es­sen­kon­flikte das Einkaufs­ver­hal­ten der größeren Unter­neh­men äußerst stark beein­flus­sen. Weiterhin sind Fach­ab­tei­lung und Einkauf in den Unter­neh­men getrennt, was die Verar­gu­men­tie­rung von Qualität versus Preis für kleine Unter­neh­men nahezu unmöglich macht. Sogar dann, wenn man die Fach­ab­tei­lung kennt und dort schon nach­weis­lich gute Qualität abge­lie­fert hat. D.h. der Markt kann durchaus Monopol, bzw. Oligo­pol­ar­tig funk­tio­nie­ren, was normale Markt­me­cha­nis­men aushebelt!

Mittel­ständ­ler dagegen kaufen bei allen Themen, die Metho­den­kom­pe­ten­zen und Knowhow betreffen, sowieso kaum ein. Entwick­lungs­dienst­leis­tun­gen wie z. B. die Entwick­lung einer Elek­tro­nik oder Software gehen da eher.

Geld verdient man, so ist jeden­falls mein Eindruck, bei Geschäfts­ideen, bei denen man auf die einzelne Verbrau­cher zugehen kann, weil da der Markt noch nach Angebot und Anfrage funk­tio­niert. Es sei denn, der Gesetz­ge­ber funkt dazwi­schen. Wie z.B. bei den Normen für Gurken oder dem Verbot von Glüh­bir­nen.

Lieber Herr Huber, ganz herz­li­chen Dank für Ihre ausführ­li­chen Antworten.

Veröffentlicht am 22. Oktober 2015 von Ulrike Hudelmaier

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