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In eigener Sache

Königs­dis­zi­plin Kommu­ni­ka­tion — was Sie bei der Kommu­ni­ka­tion mit russi­schen Gesprächs­part­nern beachten sollten.

Ein Mann und eine Frau schütteln sich die Hände vor einem Aufsteller der TFU mit einem Bild von einem Drachen.

Ein Gast­bei­trag von Nathalie Wenzel, REC Russland Experten Consul­ting GmbH, Ulm

 

Sie waren auf einer Messe in Russland und haben erste Kontakte geknüpft sowie viele Visi­ten­kar­ten von poten­zi­el­len russi­schen Inter­es­sen­ten nach Deutsch­land mitge­bracht? Der Anfang ist gemacht. Und nun – wie geht es weiter? 

Achtung Englisch

In der Regel ist bei Messen die Kommu­ni­ka­ti­ons­spra­che Englisch. Damit dies fließend klappt, werden in Russland eigens für die Messen Dolmet­scher engagiert, die sich als Firmen­mit­ar­bei­ter ausgeben. Diese stehen Ihnen nach der Messe nicht mehr zur Verfügung; entspre­chend kleiner ist der Anteil an Englisch spre­chen­den Mitar­bei­tern. Je weiter Sie in Russland nach Osten reisen, desto deut­li­cher wird diese sprach­li­che Barriere. Wer in Englisch oder Deutsch kommu­ni­ziert, sollte sich deshalb im Klaren sein, dass sein Schrift­stück übersetzt wird. Öfters durch z.B. Absol­ven­ten der Pädago­gi­schen Hoch­schu­len, die aufgrund des schlech­ten Lehrer­ge­halts sowie mangeln­den Lehr­auf­trä­gen in der freien Wirt­schaft Fuß fassen. Es gibt viele gute Sprach­mitt­ler, aber Sie sollten sich trotzdem verge­wis­sern, wer Ihre Briefe, E‑Mails, Gedanken übersetzt – denn in der inter­na­tio­na­len Kommu­ni­ka­tion spielt die Kompetenz der Dolmet­scher eine zentrale Rolle: Fachliche Ausrich­tung, mangelnde Iden­ti­fi­ka­tion mit Ihrem Thema sowie Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum können zum Problem werden; Miss­ver­ständ­nisse nicht ausge­schlos­sen.

Direkt ist besser

Die Russen sagen: „Wenn du willst, dass die neue Sache scheitert, schreib eine E‑Mail oder ruf den Betrof­fe­nen an.“ Was ist damit gemeint? Russische Geschäfts­part­ner bevor­zu­gen eindeutig den direkten Kontakt „face-to-face“. In einigen Situa­tio­nen können Sie sich viel Schreib­ar­beit und Mühe sparen, indem Sie sich ein Flug­ti­cket kaufen und vor Ort Ihrem Partner in die Augen schauen. Sie können sein Potenzial besser einschät­zen und direkt ermitteln, wie und mit wem Ihr Kontakt arbeitet. Aber auch die Kommu­ni­ka­tion über die Internet-Telefonie Skype wird im russi­schen Geschäfts­le­ben gerne einge­setzt. In der Kommu­ni­ka­tion spielt zwar das Thema „Über­wa­chung“ eine Rolle, aber offi­zi­elle Stellen scheinen Skype nur mit großem Aufwand mithören zu können. Auch die zum Teil alten Tele­fon­mo­delle bieten nur begrenzte Nach­ver­fol­gungs­mög­lich­kei­ten.

Stil und Etikette

Auf der Visi­ten­karte steht Name, Vorname und Name des Vaters. Die Russen erwarten von Ihnen aber nicht, dass Sie „das Ganze“ beherr­schen. Der Name mit der Zugabe GOSPODI´N /GOSPOTSCHA´, was Herr/Frau bedeutet, reicht völlig aus und oft wird Ihnen auch schnell die Anrede mit dem Vornamen angeboten.
Häufig haben Visi­ten­kar­ten zwar Angaben zur Person/Firma aber die E‑Mail Adresse sieht für deutsche Verhält­nisse zu privat aus. Dies ist kein Indiz dafür, dass Ihr gegenüber unseriös wäre. Vielmehr liegt auch in den großen Firmen dies­be­züg­lich einfach keine klare Einheit im Sinne von Corporate Identity oder festen EDV-Vorgaben vor. Die verbrei­te­ten Domains in Russland sind z.B. yandex.ru, mail.ru, rambler.ru, list.ru.

Am besten bitten Sie Ihren Geschäfts­part­ner mit Ihrer ersten Mail den Empfang Ihrer E‑Mail zu bestä­ti­gen. Denn russische Geschäfts­part­ner leben gerne nach dem Motto: „Wenn in der E‑Mail keine klare Frage gestellt wurde, muss ich auch keine Antwort schreiben“ und damit wissen Sie nicht, wer Ihre E‑Mail letzt­end­lich empfangen hat. Viel zu oft schieben deutsche Partner die unbe­ant­wor­te­ten E‑Mails auf die Unfä­hig­keit der russi­schen Kollegen. Dabei liegt es in der Regel an der strengen Einstel­lung des Spam­fil­ters oder an einer alten Adresse, weil Ihr Partner sich beruflich verändert oder eine neue Email-Adresse hat. In diesen Fällen am besten anrufen, damit gehen Sie auf Nummer sicher.

Stolz und Vorurteil

Am Flughafen Moskau las ich einen Werbe­slo­gan der russi­schen Sberbank: „Doverjaem tem kogo snaem“. Übersetzt „Wir vertrauen denen, die wir kennen“. Vertrauen wird in Russland sehr groß geschrie­ben – dabei gibt es zwischen geschäft­lich und privat keine eindeu­tige Grenze. Vertrauen muss hart erar­bei­tet werden und bedeutet viel Einsatz und Enga­ge­ment. Der russische Markt entwi­ckelte sich in den letzten zehn Jahren sehr turbulent. Es ist nicht zu erwarten, dass es immer einfach sein wird, ein deutsches Produkt in Russland einzu­füh­ren. Harte Faktoren wie Preis und Qualität können schnell vergli­chen werden – Vertrauen aber kann nicht kopiert werden und gilt als wichtige Entschei­dungs­kom­po­nente. Kommu­ni­zie­ren Sie deshalb immer auf Augenhöhe, mit viel Respekt und ohne abfällige Bemer­kun­gen wie z.B.: „Gibt es andere Straßen oder sehen die alle in Russland so schlecht aus?“ Auch wer über neue Tech­no­lo­gien spricht und groß tönt: “Bei uns in Deutsch­land können Sie das Neueste und Beste vorfinden“, der verhält sich nicht wirklich bezie­hungs­för­dernd – die Russen sind ein stolzes Volk und das zu Recht.
Ein russi­schen Dichter hatte mal gesagt: „Mit dem Verstand ist Russland nicht zu begreifen. Es hat etwas ganz Eigenes. An Russland muss man einfach glauben.“
Wenn Sie an Ihren Erfolg in Russland glauben, bereiten Sie sich gut auf dieses einzig­ar­tige Land vor. Lassen Sie sich über­ra­schen und begeis­tern z.B. von der russi­schen Herz­lich­keit und Gast­freund­schaft – aber das ist ein anderes Thema…

Herz­lichst Ihre Russland Expertin,
Nathalie Wenzel Dipl.- Betriebs­wir­tin
REC Russland Experten Consul­ting GmbH
www.russland-experten.com
Tel.: +(49) 731 3788 0070
E‑Mail: info@russland-experten.com

Veröffentlicht am 1. Juli 2013 von International

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